Ratgeber PlanfräsenRechner

Wie viel muss ich abfräsen, bis meine Platte plan ist?

Die Bohle ist 50 mm dick, der Tisch soll 40 mm haben. Reicht das noch, wenn sie schüsselt, einen Bogen hat und leicht verwunden ist? Wie dick wird meine Platte nach dem Planfräsen? Gib unten deinen gemessenen Verzug ein, dreh die Platte mit dem Finger und lass sie Schicht für Schicht abfräsen.

Kurz gesagt

  • Je Seite fräst du so viel ab, wie die Platte verzogen ist, plus eine kleine Zugabe für Sägespuren. Gemessen wird der Verzug als Abstand von der höchsten zur tiefsten Stelle, bezogen auf die am besten passende Ebene.
  • Enddicke = Rohdicke − Verzug − 2 × Zugabe. Du fräst den Verzug zwar oben und unten weg, an Dicke verlierst du ihn aber nur einmal.
  • Beispiel: 50 mm dicke Bohle mit 3 mm Schüsselung, 4 mm Bogen und 4 mm Verwindung ergibt 41 mm Enddicke.
  • Hohlseite nach unten, Keile unter die hohlen Stellen, alles mit Heißkleber fixieren. Eine Verwindung teilst du auf zwei Ecken auf. Bei reiner Verwindung spart das die Hälfte.

Abtrag-Rechner

Drehen und fräsen

Ziehen dreht die Platte, hoch und runter neigt sie.

sägeraue Fläche wird abgefräst Restplatte, gefräst Keil gestrichelt = Fräsebene 1 und 2
–Enddicke, beide Seiten plan und parallel
Abtrag oben–
Abtrag unten–
Durchgänge gesamt–

Rohplatte
Gemessener Verzug

Wie du die drei Werte misst, steht weiter unten unter Verzug messen.

Fräsen
Annahme. Sägerau oder mit Kettensägenspuren eher mehr, gehobelt weniger.

Keilplan für die erste Seite

Spalt unter der Platte in mm, von oben gesehen. Ecke A ist in der 3D-Ansicht markiert. „liegt auf“ heißt: Hier berührt die Platte die Unterlage.

Modell: Der Verzug ist eine glatte Form aus Schüsselung, Bogen und Verwindung, die Platte ist überall gleich dick. Beulen, Risse und tiefe Sägespuren steckst du in die Zugabe.

Schüsselung, Bogen, Verwindung: was ist was?

Holz arbeitet: Es schwindet beim Trocknen und quillt bei Feuchte wieder. Entlang der Jahresringe, also tangential, bewegt es sich etwa doppelt so stark wie quer dazu, also radial. In Längsrichtung bewegt es sich kaum. Aus diesem Unterschied und aus Spannungen, die schon im Stamm stecken, entstehen drei Formen von Verzug. Wie stark Holz arbeitet, steht im Beitrag „Wie viel arbeitet Holz?“.

Schüsselung

Die Platte wölbt sich quer über die Breite wie eine flache Rinne. Typisch für Seitenbretter mit liegenden Jahresringen: Die Seite zur Rinde hin wird hohl, die Kernseite rund.

Bogen

Die Platte biegt sich in der Länge durch, wie ein flacher Bogen. Meist lösen sich beim Auftrennen Spannungen aus dem Stamm, oder die Bohle lag beim Trocknen auf zu wenigen Stapelleisten.

Verwindung

Die Platte ist in sich verdreht. Liegen drei Ecken auf, hebt die vierte ab. Meist steckt ein schräger Faserverlauf dahinter, etwa Drehwuchs, oder ungleichmäßiges Trocknen.

So misst du den Verzug

Für den Rechner brauchst du drei Zahlen. Mehr als gerade Latten, eine Schnur und einen Messkeil oder eine Fühlerlehre brauchst du dafür nicht. Tipp auf die Zeichnung, um zur nächsten Messung zu blättern.

Richtlatte Messkeil oder Fühlerlehre Spalt in der Mitte = Schüsselung Abstand Schnur Klötzchen gleich dick Bogen = Abstand − Klötzchen Seitenansicht, nicht maßstäblich Abweichung hinteres Windbrett vorderes Windbrett, darüber peilst du

Warum du den Verzug nur einmal an Dicke verlierst

Viele rechnen so: 8 mm Verzug, also oben 8 mm weg und unten 8 mm weg, macht 16 mm. Das stimmt nicht. Die Platte ist überall gleich dick, sie ist nur gebogen. Wo die Oberseite eine Kuppe hat, hat die Unterseite eine Mulde. Oben fräst du vor allem die Mitte weg, unten vor allem die Ränder.

Restplatte, überall gleich dick oben: viel in der Mitte unten: viel am Rand

Rot: das fräst du ab. Gestrichelt: die beiden Fräsebenen. Verzug stark überhöht.

Jede Stelle verliert also den Verzug nur einmal, dazu die Zugabe auf beiden Seiten. Abgefräst wird trotzdem auf jeder Seite der volle Verzug, an jeweils anderen Stellen. Das zählt für die Zahl der Durchgänge.

So sparst du Dicke

  • Erst grob ablängen. Der Bogen wächst mit dem Quadrat der Länge. Eine Bohle mit 8 mm Bogen auf 240 cm hat auf 200 cm nur noch rund 5,6 mm.
  • Schmal fräsen, dann verleimen. Bei der Schüsselung gilt dasselbe für die Breite. Halbe Breite heißt nur noch ein Viertel Schüsselung. Fräs breite Bohlen deshalb einzeln oder aufgetrennt plan, verleim sie und fräs die fertige Platte noch einmal dünn nach.
  • Verwindung aufteilen. Legst du eine nur verwundene Platte einfach auf drei Ecken, fräst du die ganze Verwindung weg. Richtig unterlegt ist es nur die Hälfte.
  • Platte vorher ruhen lassen. Lass Bohlen ein bis zwei Wochen luftig auf Stapelleisten in der Werkstatt liegen. Was sich vorher verzieht, fräst du einmal weg. Was sich danach verzieht, kostet noch einmal Dicke.
  • Zugabe knapp halten. Jeder Millimeter Zugabe kostet zwei Millimeter Dicke, weil er auf beiden Seiten anfällt. Eine gehobelte Leimholzplatte braucht kaum Zugabe.

Richtig unterlegen

Bevor die Fräse das erste Mal über die Platte fährt, muss die Platte fest und ruhig liegen. Gibt sie unter dem Fräser nach, federt sie danach zurück, und die Fläche ist wieder nicht plan.

  1. Hohlseite nach unten. So liegt die Platte auf ihren Rändern und Enden und kann nicht über eine Kuppe wippen. Unter die hohle Mitte kommen Keile, damit sie unter dem Druck der Fräse nicht durchfedert. Andersherum geht es auch: Mit der Hohlseite nach oben liegt die Platte auf ihrer Kuppe, und die Keile kommen unter Ränder und Ecken. Dort kommst du bei breiten Platten leichter hin. Am Abtrag ändert das nichts. Der Keilplan im Rechner gilt für die Hohlseite unten.
  2. Verwindung aufteilen. Bei einer Verwindung liegt die Platte auf zwei diagonalen Ecken und kippelt. Unterleg die beiden anderen Ecken je um die halbe Verwindung. Alle vier Ecken bekommst du bei einer Verwindung nie auf eine Höhe. Ziel ist, dass jede Ecke so hoch steht wie die gegenüberliegende. Den Keilplan dazu zeigt dir der Rechner.
  3. Keile paarweise. Zwei Keile gegeneinander geschoben geben eine ebene Auflage, die du fein in der Höhe einstellen kannst. Schieb sie nur so weit, dass sie anliegen. Drückst du die Platte damit hoch, baust du neue Spannung ein.
  4. Mit Heißkleber fixieren. Kleb Keile und Platte mit ein paar Punkten Heißkleber an der Unterlage fest. Dazu Anschlagklötze an Enden und Seiten, damit nichts verrutscht.
  5. Prüfen. Drück auf jede Ecke und auf die Mitte. Nichts darf wippen oder federn. Fahr den Fräser einmal ohne Schnitt über die Ecken und schau, ob der Abstand zur Platte so ist, wie du ihn geplant hast.

Ist die erste Seite plan, wird die Platte umgedreht. Jetzt liegt sie mit der frisch gefrästen Seite nach unten, plan auf der Unterlage. Keile brauchst du dann keine mehr. Prüf aber, dass keine Späne oder Kleberreste darunter liegen.

In Etappen fräsen

Holz steht unter Spannung. Fräst du auf einer Seite viel weg, lösen sich Spannungen, und die Platte kann sich ein wenig neu verziehen. Ist das Holz innen noch feuchter als außen, trocknet die frisch gefräste Fläche außerdem nach. Deshalb gehen erfahrene Tischler in zwei Etappen vor:

  1. Grob. Beide Seiten plan fräsen, aber noch nicht auf Enddicke. Plane dafür etwa 2 mm Reserve über deiner Wunschdicke ein.
  2. Ruhen lassen. Die Platte ein paar Tage bis zwei Wochen so lagern, dass an beide Seiten Luft kommt, auf Leisten oder hochkant.
  3. Fertig. Den Verzug noch einmal messen, im Rechner eintragen und beide Seiten auf Enddicke fräsen. Der restliche Verzug ist jetzt meist klein, und ein, zwei Durchgänge je Seite reichen.

Bei einer gut getrockneten, gehobelten Leimholzplatte kannst du dir die Pause oft sparen. Bei frisch gekauften Bohlen und dicken Baumscheiben lohnt sie sich fast immer.

So rechnet der Rechner

Die Platte ist überall gleich dick, ihre Mittelfläche ist verzogen. Diese Fläche setzt der Rechner aus drei Teilen zusammen. Die Koordinaten u und v laufen über Länge und Breite jeweils von 0 bis 1:

Schüsselung=c × 2v − 12Parabel quer, Mitte zu Rand = c
Bogen=b × 2u − 12Parabel längs, Pfeilhöhe = b
Verwindung=w × u × vdrei Ecken auf 0, eine auf w
c
Schüsselung über die Breite in mm
b
Bogen über die Länge in mm
w
Verwindung: so weit hebt die vierte Ecke ab, in mm
u, v
Lage auf der Platte, längs und quer, von 0 bis 1

Schüsselung und Bogen sind hier auf derselben Seite hohl. Sind sie es auf verschiedenen Seiten, brauchst du höchstens so viel Abtrag, wie der Rechner zeigt.

Dann sucht der Rechner die Ebene, zu der die Fläche am besten passt. Das ist die Lage, die du mit den Keilen einstellst. Am besten passt sie, wenn die größte Abweichung nach oben und nach unten am kleinsten ist. Der Rechner prüft dazu 41 × 41 Punkte auf der Platte und probiert die Neigung in Längs- und Querrichtung so lange durch, bis dieser Wert minimal ist. Die Spannweite, die dann übrig bleibt, ist der Verzug S. Eine Ausgleichsebene nach der Methode der kleinsten Quadrate liegt bei glatten Formen oft gleich, bei einer einzelnen Beule aber daneben und kostet dann unnötig Dicke.

Verzug S=höchste Stelle − tiefste Stellezur besten Ebene
S≈c + b + w4solange w ≤ 8 × c × b
S=w2nur Verwindung
Abtrag je Seite=S + Zugabe
Enddicke=Dicke − S − 2 × Zugabe
Durchgänge je Seite=S + ZugabeZustellungaufgerundet

Warum nur ein Viertel der Verwindung? Ein Teil der Verwindung ist bloß eine schräge Lage der ganzen Platte. Die gleichst du mit den Keilen aus. Übrig bleibt eine Sattelform: Zwei gegenüberliegende Ecken stehen ein Viertel der Verwindung höher als die Mitte, die anderen beiden ein Viertel tiefer. Bei reiner Verwindung sind das zusammen w ÷ 2. Kommen Schüsselung und Bogen dazu, liegen die Ecken ohnehin am weitesten von der Mitte weg. An zwei Ecken kommt das Viertel dazu, an den anderen beiden geht es ab. Deshalb S ≈ c + b + w ÷ 4. Das gilt, solange die Verwindung nicht zu groß ist. Sonst liegt die höchste Stelle nicht mehr in der Mitte, und S wird größer, als die Faustformel sagt. Der Rechner rechnet es dann genau aus.

Warum ist der Abtrag unten genauso groß wie oben? Nach dem Umdrehen liegt die Platte auf der planen, frisch gefrästen Seite. Oben ist jetzt die alte Unterseite. Weil die Platte überall gleich dick ist, hat sie dieselbe gewölbte Form wie vorher die Oberseite, nur von der anderen Seite gesehen. Ihre höchste und ihre tiefste Stelle liegen wieder S auseinander.

Durchgerechnet: die Startwerte

Bohle 200 × 90 cm, 50 mm dick, 3 mm Schüsselung, 4 mm Bogen, 4 mm Verwindung, 0,5 mm Zugabe je Seite, 2 mm Zustellung:

Verzug S3 + 4 + 1 = 8 mm
Abtrag je Seite8,5 mm
Enddicke50 − 8 − 1 = 41 mm
Durchgänge5 + 5 = 10

8,5 mm durch 2 mm sind 4,25, also 5 Durchgänge je Seite. Hättest du einfach 2 × 8,5 mm von 50 mm abgezogen, kämst du auf 33 mm und hättest vielleicht eine dickere Bohle gekauft als nötig. Aus der Platte werden 20 dm × 9 dm × 0,9 dm = 16,2 dm³, also 16,2 Liter Holz zu Spänen. Wohin damit, zeigt der Späne-Rechner. Wie lange das Fräsen dauert, rechnest du im Fräszeit-Rechner aus.

Bei einer runden Baumscheibe rechnet der Rechner mit dem umschließenden Rechteck. Das Ergebnis liegt damit eher auf der sicheren Seite.

Beim Planfräsen entstehen Späne und feiner Staub. Eichen- und Buchenholzstaub gelten als krebserzeugend. Fräs nur mit Absaugung, nimm dafür einen Sauger mindestens der Staubklasse M, trag Atemschutz, Gehörschutz und Schutzbrille. Sichere die Platte gegen Verrutschen, bevor du die Fräse einschaltest.

Jeder Millimeter Dicke zählt

Wenn die Bohle knapp ist, darf die Führung nicht nachgeben. Hängt sie in der Mitte durch, fräst die Fräse dort tiefer, und die Platte wird in der Mitte dünner. Der Fräsus Maximus führt deine Oberfräse über Platten bis ca. 300 × 150 cm. Sein Rahmen aus massiven Stahlprofilen ist bis zu 700 % steifer als 40 × 40-mm-Aluprofile (Biegesteifigkeit im Vergleich). Die Führungen laufen spielfrei. So reicht ein dünner letzter Durchgang für eine ebene Fläche ohne Rillen und sichtbare Übergänge, und du nimmst nur so viel ab, wie der Verzug verlangt. Entwickelt und gefertigt in Taufkirchen an der Pram.

Fräsus Maximus ansehen

Häufige Fragen

Wie dick wird meine Platte nach dem Planfräsen?

Rohdicke minus Verzug minus zweimal die Zugabe für Sägespuren. Eine 50 mm dicke Bohle mit 8 mm Verzug und 0,5 mm Zugabe je Seite wird 41 mm dick. Den Verzug verlierst du nur einmal, obwohl du oben und unten fräst.

Wie messe ich, ob meine Platte verzogen ist?

Schüsselung mit einer Richtlatte quer über die Breite und einem Messkeil, den Bogen mit einer Schnur über die Länge. Für die Verwindung legst du zwei gerade Leisten als Windbretter auf die Enden und peilst darüber. Die Zahl für den Rechner misst du auf einer ebenen Fläche: drei Ecken aufdrücken und messen, wie weit die vierte abhebt.

Welche Seite kommt beim Planfräsen nach unten?

Meist die Hohlseite. So liegt die Platte stabil auf ihren Rändern und kann nicht wippen. Unter die hohle Mitte kommen Keile, damit sie unter der Fräse nicht nachgibt. Mit der Hohlseite nach oben geht es auch, dann liegt die Platte auf ihrer Kuppe und die Keile kommen unter die Ränder. Wichtig ist nur, dass nichts wippt oder federt. Am Abtrag ändert die Wahl nichts.

Wie viel darf ich pro Durchgang abnehmen?

Das hängt von Fräser, Oberfräse und Holz ab. Viele Anleitungen nennen rund 3 mm als Obergrenze. Mit einer Oberfräse um 1000 W nimmst du weniger und fährst mehr Durchgänge. Ein dünner letzter Durchgang gibt die sauberste Fläche.

Verzieht sich die Platte nach dem Fräsen wieder?

Ein wenig kann sie das, weil sich Spannungen lösen und die frische Fläche nachtrocknet. Darum in zwei Etappen fräsen, dazwischen ruhen lassen, und die Platte später auf beiden Seiten gleich behandeln. Gut getrocknetes Holz bewegt sich deutlich weniger.

Reicht es, nur die Oberseite plan zu fräsen?

Wenn nur die Sichtseite plan sein muss, ja. Die Platte ist dann aber nicht überall gleich dick und an der dünnsten Stelle nur Dicke − Verzug − Zugabe stark. Für eine Tischplatte, die satt auf dem Gestell liegen soll, fräst du beide Seiten.

Weitere Ratgeber zum Planfräsen