Ratgeber HolzRechner

Wie viel arbeitet Holz? Schwund einer Tischplatte berechnen

Eine Massivholzplatte wird im Winter schmäler und im Sommer wieder breiter. Wie viel, hängt von Holzart, Breite, Jahrringlage und Raumklima ab. Im Rechner ziehst du den Kern im Hirnholz herum, spielst das Jahr ab und siehst, wie die Platte atmet und wie viel Luft sie in der Unterkonstruktion braucht.

Kurz gesagt

  • Holz arbeitet fast nur quer zur Faser. Entlang der Jahrringe (tangential) schwindet es etwa doppelt so stark wie quer dazu (radial). In der Länge bleibt es praktisch gleich.
  • Breitenänderung = Breite × Schwindmaß ÷ 100 × Feuchteänderung. Eine 90 cm breite Eichenplatte mit liegenden Jahrringen wird von 12 auf 8 % Holzfeuchte rund 13 mm schmäler.
  • Bei 21 °C und 35 % Luftfeuchte im Winter stellt sich Holz auf rund 7 % ein, bei 22 °C und 60 % im Sommer auf rund 11 %. Das sind wieder 4 Prozentpunkte. Dieselbe Eichenplatte arbeitet übers Jahr also 12 bis 13 mm.
  • Fladerbretter schüsseln: Beim Trocknen wird die kernabgewandte Seite hohl. Riftbretter mit stehenden Jahrringen bleiben ruhig.
  • Erst auf die Holzfeuchte des späteren Raums trocknen, im geheizten Wohnraum etwa 8 bis 10 %, dann planfräsen.

Holzschwund-Rechner

Kern ziehen, Jahr abspielen
Jahrringe:

–

Jänner

–

––
Holzfeuchte–
Wirksames Schwindmaß–
Schüsselung Oberseite–

–

Draufsicht auf die Tischplatte Die Platte liegt auf zwei Gratleisten. In der Mitte ist sie fest verschraubt, außen laufen die Schrauben in Langlöchern. Die Breite der Platte ändert sich mit der Holzfeuchte, die Gratleisten bleiben gleich lang.

–

Platte

–

Flusstisch: Gib nur die Holzbreite ein, ohne den Fluss. Das Harz arbeitet nicht mit.

Raumklima

Annahme: typische Werte für eine geheizte Wohnung in Mitteleuropa. Mit einem Hygrometer misst du dein eigenes Klima.

–

Warum Holz arbeitet

Frisch gefälltes Holz ist voller Wasser. Ein Teil steckt frei in den Hohlräumen der Zellen, der Rest ist in den Zellwänden gebunden. Beim Trocknen geht zuerst das freie Wasser. Dabei ändert sich am Maß noch nichts.

Bei etwa 28 bis 30 % Holzfeuchte sind die Hohlräume leer und die Zellwände noch voll. Diesen Punkt nennt man Fasersättigung. Erst darunter geben die Zellwände Wasser ab und werden dünner. Ab hier schwindet das Holz, und zwar ziemlich genau proportional zur Feuchte, die es verliert. Nimmt es wieder Feuchte auf, quillt es um denselben Betrag.

An der Luft trocknet Holz nie ganz aus. Es stellt sich auf das Klima ein, in dem es steht. Diese Gleichgewichtsfeuchte hängt vor allem von der relativen Luftfeuchte ab und ein wenig von der Temperatur. Der Rechner bestimmt sie mit der Hailwood-Horrobin-Gleichung aus dem Wood Handbook des US Forest Products Laboratory:

RaumluftGleichgewichtsfeuchte im Holz
20 °C, 30 % Luftfeuchte6,2 %
20 °C, 50 % Luftfeuchte9,3 %
20 °C, 65 % Luftfeuchte12,0 %
10 °C, 80 % Luftfeuchte (draußen unter Dach)16,4 %

In einer geheizten Wohnung ist die Luft im Winter trocken. Die Platte gibt Feuchte ab und wird schmäler. Im Sommer ist die Luft feuchter, die Platte quillt wieder. Sie folgt dem Raumklima mit einigen Wochen Verzögerung. Eine Oberfläche aus Öl oder Lack bremst den Austausch, hält ihn aber nicht auf. Der Rechner zeigt den vollen Ausschlag ohne Verzögerung, also den ungünstigen Fall.

Tangential, radial, längs: warum ein Fladerbrett schüsselt

Holz schwindet in den drei Richtungen sehr unterschiedlich. Für Eiche gelten etwa diese differentiellen Schwindmaße, also die Maßänderung je Prozent Holzfeuchte (quer zur Faser nach DIN 68100). Je nach Quelle weichen die Werte um einige Hundertstel ab:

0,36 %

Tangential

Entlang der Jahrringe. Hier arbeitet Holz am stärksten.

0,16 %

Radial

Quer zu den Jahrringen, vom Kern nach außen. Etwa halb so viel.

< 0,01 %

Längs

In Faserrichtung. Bei einer 2 m langen Platte und 4 Prozentpunkten Feuchteänderung unter einem Millimeter.

Wie stark eine Platte in der Breite arbeitet, hängt deshalb davon ab, wie die Jahrringe im Hirnholz liegen. Bei liegenden Jahrringen (Flader, Seitenbrett) läuft die Breite fast ganz tangential. Das Brett arbeitet viel. Bei stehenden Jahrringen (Rift) läuft die Breite radial. Das Brett arbeitet nur etwa halb so viel. Bei gemischter Lage liegt der Wert dazwischen.

Weil die Jahrringe im Querschnitt Bögen um den Kern bilden, kommt noch etwas dazu: Beim Trocknen wollen sich die Bögen gerade ziehen, weil sie entlang des Rings stärker schwinden als quer dazu. Ein Fladerbrett wird dadurch auf der kernabgewandten Seite, der „linken Seite“, hohl. Die Kernseite, die „rechte Seite“, wölbt sich nach außen. Nimmt es Feuchte auf, geht es in die andere Richtung. Beim Riftbrett stehen die Ringe senkrecht. Da gibt es nichts gerade zu ziehen, es bleibt eben.

Genau das rechnet der Rechner oben Punkt für Punkt: Jeder Punkt im Querschnitt schwindet tangential zu seinem Jahrring und radial zum Kern. Zieh den Kern unter die Platte, neben die Platte oder in die Platte und schau, was passiert. Liegt der Kern in der Platte, schwindet der Umfang um den Kern stärker als der Halbmesser. Deshalb reißen Kernbretter beim Trocknen so gern vom Kern aus auf.

Bei einer breiten Bohle liegen die Jahrringe am Rand schon schräg. Der Rechner mittelt deshalb über den ganzen Querschnitt, wie viel der Breite tangential und wie viel radial läuft. Das Ergebnis zeigt er als „wirksames Schwindmaß“. Bei „liegend“ ist es etwas kleiner als das rein tangentiale Schwindmaß, mit dem die Handrechnung unten arbeitet.

Die Schüsselung im Rechner entsteht allein aus der Jahrringlage bei gleichmäßiger Feuchte im ganzen Querschnitt. Trocknet eine Seite schneller als die andere, etwa weil die Platte flach auf der Werkbank liegt, wird es deutlich mehr.

So rechnest du den Schwund aus

Für die Breite einer Platte reicht eine Zeile. Sie gilt unterhalb der Fasersättigung. Liegt deine Holzfeuchte darüber, rechnest du ab 30 %.

Δu=Holzfeuchte Ziel − Holzfeuchte jetztüber 30 % mit 30 % rechnen
q=tangentialbei liegenden Jahrringen
=radialbei stehenden Jahrringen
=tangential + radial2bei gemischter Lage
ΔB=B × q100 × Δu
B
Breite der Platte quer zur Faser, nur Holz, in mm
q
Schwindmaß in % je Prozent Holzfeuchte
Δu
Änderung der Holzfeuchte in Prozentpunkten
ΔB
Breitenänderung in mm, minus heißt schmäler

Ein Beispiel: Eine Eichenplatte, 90 cm breit, liegende Jahrringe, trocknet von 12 auf 8 % Holzfeuchte. Das tangentiale Schwindmaß von Eiche ist 0,36 % je Prozent Holzfeuchte.

Breite B900 mm
Schwindmaß q0,36 % je %
Feuchteänderung Δu−4 %
Breitenänderung ΔB−13,0 mm

Gerechnet: 900 mm × 0,36 ÷ 100 × 4 = 12,96 mm. Die Platte wird also rund 13 mm schmäler. Mit stehenden Jahrringen (radial 0,16) wären es nur 5,8 mm, bei gemischter Lage (0,26) etwa 9,4 mm.

Die Werkbank oben zeigt für dieselbe Platte 11,8 mm. Sie rechnet mit dem wirksamen Schwindmaß. Am Rand einer breiten Bohle liegen die Jahrringe schon schräg, dort läuft ein Teil der Breite radial. Die Werkbank mittelt deshalb über den ganzen Querschnitt. Bei der Startplatte liegt der Kern gut einen halben Meter unter der Platte, und 84 % der Breite laufen tangential:

qwirksam=radial + Anteil tangential × tangential − radial
=0,16 + 0,84 × 0,36 − 0,16 = 0,328 % je %
ΔB=900 mm × 0,328100 × −4 = −11,8 mm

Anteil tangential: der Teil der Breite, der entlang der Jahrringe läuft. Die Werkbank zeigt ihn unter der Grafik in Prozent und das wirksame Schwindmaß gerundet als 0,33.

Für das Raumklima rechnet der Rechner die Gleichgewichtsfeuchte nach Hailwood-Horrobin. T ist die Temperatur in °C, h die relative Luftfeuchte als Bruch (50 % = 0,5):

u=1800W × Kh1 − Kh + K1Kh + 2K1K2K2h21 + K1Kh + K1K2K2h2
W=349 + 1,29 T + 0,0135 T2
K=0,805 + 0,000736 T − 0,00000273 T2
K1=6,27 − 0,00938 T − 0,000303 T2
K2=1,91 + 0,0407 T − 0,000293 T2
u
Gleichgewichtsfeuchte des Holzes in %
T
Lufttemperatur in °C
h
relative Luftfeuchte als Bruch, 50 % = 0,5

W, K, K1 und K2 sind Hilfswerte, die nur von der Temperatur abhängen.

Die Gleichung ist eine Anpassung an Messwerte und gilt als guter Richtwert für die meisten Holzarten. Einzelne Arten weichen um etwa 1 bis 2 Prozentpunkte ab.

So baust du Tische, die arbeiten dürfen

Aufhalten kannst du die Bewegung nicht. Eine Platte, die nicht arbeiten darf, reißt oder drückt ihre Unterkonstruktion auseinander. Die Kunst ist, sie festzuhalten und trotzdem quer zur Faser wandern zu lassen.

  • In der Mitte fest, außen beweglich. Schraub die Platte in der Mitte fest. Außen laufen die Schrauben in Langlöchern. Dann wandert jede Kante um die Hälfte der Breitenänderung. Das Langloch braucht diesen Weg plus etwas Reserve.
  • Tischplattenhalter an der Zarge. Nutklötzchen oder Metallwinkel greifen in eine Nut in der Zarge und können darin gleiten. An den Längszargen müssen sie quer zur Faser Spiel haben.
  • Gratleisten nicht durchgehend verleimen. Eine Gratleiste hält die Platte gerade, wenn die Platte darauf gleiten kann. Wenn überhaupt, wird sie nur in der Mitte verleimt oder verschraubt. Mach sie so kurz, dass sie im Winter nicht über die Platte hinaussteht.
  • Nicht ringsum verleimen. Ein rundum verleimter Rahmen oder eine Hirnleiste, die auf ganzer Länge verleimt ist, sperrt die Platte ein. Hirnleisten werden nur in der Mitte verleimt, außen halten Dübel in Langlöchern.
  • Beide Seiten gleich behandeln. Öl oder Lack gehört oben und unten gleich dick drauf. Sonst nimmt die Unterseite schneller Feuchte auf oder gibt sie ab, und die Platte schüsselt.
  • Bretter klug legen. Für verleimte Platten sind schmale Bretter mit stehenden oder gemischten Jahrringen am ruhigsten. Viele Tischler legen Fladerbretter beim Verleimen abwechselnd mit der Kernseite nach oben und nach unten, damit sich das Schüsseln nicht über die ganze Breite aufaddiert.

Die Draufsicht im Rechner zeigt so einen Aufbau mit Gratleisten. Dort siehst du auch, wie weit die äußeren Schrauben in ihren Langlöchern wandern.

Epoxid und Holz arbeiten unterschiedlich

Ausgehärtetes Epoxidharz nimmt kaum Wasser auf und quillt deshalb praktisch nicht mit der Luftfeuchte. Es dehnt sich nur mit der Temperatur ein wenig. Das Holz daneben arbeitet weiter. An der Grenze zwischen Holz und Harz entstehen dadurch Spannungen, und im Winter kann sich dort eine feine Fuge öffnen.

Je näher das Holz beim Gießen an der späteren Gleichgewichtsfeuchte liegt, desto weniger bewegt es sich danach. Gut getrocknetes Holz ist deshalb die sichere Wahl. Viele Harzhersteller nennen eine Obergrenze von etwa 10 bis 12 % Holzfeuchte, den genauen Wert findest du im Datenblatt deines Harzes. Feuchtes Holz kann beim Aushärten außerdem Blasen ins Harz treiben.

Für den Rechner zählt beim Flusstisch nur die Holzbreite. Wie viel Harz du für den Fluss brauchst, rechnest du im Harzmengen-Rechner aus. Befestigt wird die Platte trotzdem wie eine Massivholzplatte, mit Langlöchern und Tischplattenhaltern.

Erst trocknen, dann planfräsen

Fräst du eine Platte bei 14 % plan und sie trocknet danach im Wohnzimmer auf 8 %, wird sie schmäler und schüsselt. Die ebene Fläche ist dann wieder dahin. Deshalb lohnt sich eine Reihenfolge in drei Schritten:

  1. Messen. Miss die Holzfeuchte an mehreren Stellen, auch in der Mitte der Platte, und stell am Gerät die Holzart ein. Dicke Bohlen sind innen oft feuchter als außen.
  2. Grob vorfräsen und ruhen lassen. Nimm die gröbsten Unebenheiten weg und lass ein paar Millimeter stehen. Dann liegt die Platte luftig im späteren Raumklima, auf Leisten, beide Seiten belüftet, bis der Messwert passt.
  3. Fertig fräsen. Jetzt hast du nur noch den Verzug, der beim Ruhen entstanden ist. Gleich danach behandelst du beide Seiten.

Wie viel du beim Vorfräsen stehen lassen solltest, rechnest du im Abtrag-Rechner aus.

Ist meine Platte trocken genug zum Planfräsen?

Einsatzort:

–

–

Annahmen: Zielbereiche Wohnraum geheizt 8 bis 10 %, Wintergarten 10 bis 12 %, außen 12 bis 15 %. Vorfräsen bis 4 Prozentpunkte über dem Ziel. Das sind Erfahrungswerte aus der Praxis.

Nach dem Trocknen wieder plan

Wenn sich die Platte beim Trocknen geschüsselt hat, holst du sie mit dem Fräsus Maximus in kurzer Zeit wieder plan. Er führt deine Oberfräse steif und spielfrei über Platten bis ca. 300 × 150 cm, für ebene Flächen ohne Rillen und sichtbare Übergänge. Das passt auch zum Vorgehen oben: grob vorfräsen, ruhen lassen, fertig fräsen. Entwickelt und gefertigt in Taufkirchen an der Pram.

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Häufige Fragen

Wie viel Holzfeuchte sollte eine Tischplatte haben?

So viel, wie sich später im Raum einstellt. Für Möbel im geheizten Wohnraum sind das etwa 8 bis 10 %. Im Winter sinkt die Holzfeuchte dort oft auf 7 % und weniger, im Sommer steigt sie auf rund 11 %.

Wie viel Luft muss ich bei einer Massivholzplatte lassen?

Rechne die Breitenänderung zwischen Winter und Sommer aus. Eine 90 cm breite Eichenplatte mit liegenden Jahrringen arbeitet in einer geheizten Wohnung 12 bis 13 mm. Ist sie in der Mitte befestigt, wandert jede Kante etwa 6 mm. Die äußeren Langlöcher und die Tischplattenhalter brauchen diesen Weg plus Reserve.

Warum wölbt sich mein Brett?

Weil Holz entlang der Jahrringe etwa doppelt so stark schwindet wie quer dazu. Die Jahrringe ziehen sich beim Trocknen gerade, und ein Fladerbrett wird auf der kernabgewandten Seite hohl. Dazu kommt oft ungleiche Feuchte: Trocknet eine Seite schneller, schüsselt das Brett zusätzlich.

Arbeitet Holz auch in der Länge?

Kaum. Von nass bis ganz trocken schwindet Holz in Faserrichtung meist nur 0,1 bis 0,2 %. Bei einer 2 m langen Tischplatte und 4 % Feuchteänderung ist das weniger als ein Millimeter. Ausnahmen sind Holz aus dem Kernbereich junger Bäume und Druck- oder Zugholz.

Wie lange muss Holz trocknen, bevor ich es planfräse?

Bis es die Holzfeuchte des späteren Raums erreicht hat. Die alte Faustregel „ein Jahr je 2,5 cm Dicke“ bringt Bohlen an der Luft nur auf etwa 15 bis 18 %. Für Möbel im Wohnraum muss das Holz danach in einen warmen, trockenen Raum oder in die Trockenkammer. Am Ende entscheidet der Messwert.

Ab welcher Holzfeuchte schwindet Holz?

Unterhalb der Fasersättigung bei etwa 28 bis 30 %, bei manchen Laubhölzern wie Eiche schon etwas darunter. Darüber verliert Holz nur freies Wasser aus den Zellhohlräumen und behält sein Maß.

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