Was die Buchstaben bedeuten
Die Staubklassen stehen in der Norm EN 60335-2-69, Anhang AA. Sie sagen, wie viel Prozent des Staubs ein Sauger in der Prüfung durchlassen darf. Diesen Wert nennt man Durchlassgrad. Welche Klasse ein Stoff braucht, richtet sich nach seinem Arbeitsplatzgrenzwert: Je weniger davon in der Luft sein darf, desto dichter muss der Sauger sein.
| Klasse | L | M | H |
|---|---|---|---|
| Gefährdung | gering | mittel | hoch |
| Durchlass in der Prüfung | < 1 % | < 0,1 % | < 0,005 % |
| Hält zurück | über 99 % | über 99,9 % | über 99,995 % |
| Für Stoffe mit Grenzwert | über 1 mg/m³ | ab 0,1 mg/m³ | unter 0,1 mg/m³ und krebserzeugende Stoffe |
| Typische Stoffe | Hausstaub, Erde, reiner Gips | Holz, MDF, Lack, Kunststoff, Beton, Mörtel | Schimmelsporen, Bleistaub, Asbest* |
| Warnung bei zu wenig Luftstrom | nicht vorgeschrieben | Pflicht | Pflicht |
| Entsorgung | keine Vorgabe | staubarm | staubfrei |
* Asbest nur mit Geräten, die zusätzlich dafür zugelassen sind, und nur durch Fachbetriebe.
Die Klasse gilt für das ganze Gerät mit dem Filter, mit dem es geprüft wurde. Für L und M wird das Filtermaterial mit feinem Quarzstaub geprüft. Bei H kommt ein noch feinerer Ölnebel dazu, und auch das einsatzfertige Filterelement muss unter 0,005 % bleiben. Außerdem wird bei H der Durchlass am zusammengebauten Gerät gemessen, damit kein Staub an Dichtungen oder Fugen am Filter vorbeigeht. Ein M-Filter im L-Sauger macht also noch keinen M-Sauger.
Bei M und H schreibt die Norm zusätzlich eine Warnung vor, wenn der Luftstrom zu schwach wird, und eine staubarme bzw. staubfreie Entsorgung. Mehr dazu unten im Sauger-Check.
Wie viel Staub geht durch den Filter?
Prozentwerte unter 1 sind schwer vorstellbar. Deshalb hier dieselben Grenzwerte als Punkte. Angenommen, 1 kg feiner Staub kommt am Filter an:
Von 1 000 g Staub, die am Filter ankommen, dürfen höchstens durch:
weniger als 10 g (1 %)
weniger als 1 g (0,1 %)
weniger als 0,05 g (0,005 %)
Alles Höchstwerte: So viel darf der Sauger in der Prüfung höchstens durchlassen.
Ein Beispiel aus der Werkstatt: Du schleifst eine Eichen-Tischplatte mit 200 × 90 cm und nimmst dabei 0,3 mm ab. Das sind 0,54 Liter Holz. Mit rund 0,7 kg pro Liter für Eiche werden daraus etwa 380 g Schleifstaub:
Das klingt nach wenig. Der Arbeitsplatz-Grenzwert für Holzstaub liegt in Deutschland und Österreich aber bei 2 mg pro Kubikmeter Luft, gemittelt über eine Arbeitsschicht. Die 3,8 g, die ein L-Sauger höchstens durchlassen darf, reichen rechnerisch für rund 1 900 m³ Luft an diesem Grenzwert. Eine Werkstatt mit 75 m³ wäre damit gut 25-mal gefüllt. Bei M sind es rund 190 m³. Lüftung und Absetzen sind dabei nicht eingerechnet, die Richtung ist trotzdem klar.
Holzstaub: warum Hartholz besonders ist
Holzstaub ist mehr als lästiger Dreck. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft ihn als krebserzeugend für den Menschen ein. Betroffen sind vor allem Nase und Nasennebenhöhlen. Die Erkrankung, meist ein Adenokarzinom, zeigt sich oft erst Jahrzehnte nach der Zeit mit dem Staub.
Am besten belegt ist das Risiko bei Laubholz wie Eiche und Buche. In der EU sind Hartholzstäube deshalb ausdrücklich als krebserzeugend eingestuft, mit einem verbindlichen Grenzwert von 2 mg/m³. Gemeint ist dabei Laubholz allgemein, auch weiche Laubhölzer zählen dazu. Staub von Nadelholz steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen.
Deutschland: Staub von Hartholz wie Eiche und Buche gilt als krebserzeugend (TRGS 906). Die TRGS 553 „Holzstaub“ nennt 2 mg/m³ als Schichtmittelwert und verlangt im Betrieb, Staub an der Maschine abzusaugen und zum Aufsaugen Industriestaubsauger oder Entstauber der Klasse M zu verwenden. Abblasen und trockenes Kehren sind nicht zulässig.
Österreich: Hier gilt die Grenzwerteverordnung (GKV). Stäube aller Harthölzer sind dort als eindeutig krebserzeugend eingestuft, für Holzstaub gilt ein Grenzwert (TRK-Wert) von 2 mg/m³. Auch hier ist Absaugen im Betrieb Pflicht. In Absauganlagen muss die Luft an den Stutzen und in den Leitungen mindestens 20 m/s schnell sein, bei feuchten Spänen 28 m/s (§ 17 GKV). Abblasen mit Druckluft und trockenes Kehren sind verboten, gereinigt wird mit saugenden Verfahren wie Industriestaubsaugern (§ 18 GKV).
Ins Schema der Staubklassen passt Holzstaub nicht ganz sauber. Sein Grenzwert von 2 mg/m³ spräche für L, die krebserzeugende Wirkung von Hartholz eher für H. Die TRGS 553 legt für Holzstaub Klasse M fest, und das ist auch in der Praxis der Mindeststandard. Wer viel Eiche, Buche oder MDF schleift, hat mit H mehr Reserve. Die Schweizer Suva empfiehlt für Buche und Eiche sogar ausdrücklich H.
Diese Regeln richten sich an Betriebe mit Beschäftigten. Für die Hobbywerkstatt gelten sie nicht direkt, sie zeigen aber gut, was zum Schutz der Lunge nötig ist. Das ist ein Überblick und keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die jeweils aktuelle Fassung der Vorschriften; im Zweifel helfen in Österreich die AUVA und das Arbeitsinspektorat.
Was ein Vorabscheider ändert und was nicht
Ein Zyklon-Vorabscheider sitzt zwischen Werkzeug und Sauger. Die Luft dreht sich darin schnell im Kreis, schwere Teilchen fliegen nach außen und fallen ins Fass. Wie das genau abläuft, steht in „Wie funktioniert ein Zyklonabscheider?“. Auf der Partikel-Skala oben siehst du, wo das gut klappt: bei Spänen und grobem Staub. Je feiner der Staub, desto mehr geht weiter zum Sauger.
Das ändert er
- Der Filter bleibt länger frei. Er bekommt nur noch den feinen Rest ab und setzt sich viel langsamer zu.
- Die Saugleistung bleibt länger hoch. Die Maschine erfasst den Staub länger gut, und die Warnung eines M-Saugers meldet sich seltener wegen eines zugesetzten Filters.
- Der Sauger füllt sich langsamer. Du wechselst seltener Beutel und kommst seltener mit dem Staub in Berührung.
Das ändert er nicht
- Die Staubklasse. Die kommt vom Sauger und seinem Filter. Aus einem L-Sauger wird kein M-Sauger.
- Den feinsten Staub. Teilchen von wenigen Mikrometern, die bis in die Lunge kommen, holt auch ein Zyklon mit Feinstaub-Stufe nur zum Teil heraus. Den Rest muss der Filter halten.
- Die Erfassung am Werkzeug. Was an der Maschine vorbei in die Luft geht, fängt auch der beste Vorabscheider nicht.

Vorabscheider und guter Sauger ergänzen sich also. Jeder Vorabscheider und jeder Meter Schlauch kosten etwas Saugleistung. Prüf deshalb nach dem Einbau, ob die Warnung deines M-Saugers ruhig bleibt.
Beim Ausleeren des Fasses staubt es. Leer es langsam in einen Sack, trag dabei eine Maske und schüttle nichts aus. Wie viele Späne bei deinem Projekt zusammenkommen, rechnest du im Späne-Rechner aus.
Worauf du beim Sauger noch achten solltest
- Staubklasse am Gerät. Die Klasse steht als Warnschild am Sauger. Sie gilt nur mit dem Filter, mit dem das Gerät geprüft wurde. Ersatzfilter also immer in derselben Klasse kaufen.
- Volumenstrom-Warnung. Bei M und H ist sie Pflicht. Sie meldet sich, wenn die Luft im Schlauch langsamer als 20 m/s wird. Dann erfasst die Absaugung am Werkzeug weniger, und im Schlauch können sich Späne absetzen. Oft stellst du dafür am Gerät den Schlauchdurchmesser ein.
- Filterabreinigung. Feiner Staub setzt den Filter zu, die Saugleistung sinkt. Eine Abreinigung per Taste oder automatisch klopft oder bläst den Filter wieder frei. Ein Vorabscheider sorgt dafür, dass du sie seltener brauchst.
- Antistatischer Schlauch. Feiner Staub, der schnell durch einen Kunststoffschlauch fliegt, lädt ihn elektrisch auf. Ein antistatischer Schlauch leitet die Ladung ab. Das erspart dir Schläge an den Fingern und Staub, der außen am Schlauch klebt.
- Entsorgung. M verlangt staubarme Entsorgung, zum Beispiel mit Filtersack oder Entsorgungssack aus Folie. H verlangt staubfreie Entsorgung. Den Beutel geschlossen herausnehmen und nicht ausschütteln.
Wie viel Luft der Sauger für die 20 m/s schaffen muss, hängt am Schlauch:
Von oben nach unten: Schlauch mit 27, 36 und 50 mm Innendurchmesser.
Mit dem dicken Schlauch braucht der Sauger also mehr als dreimal so viel Luft wie mit dem dünnen. Welcher Schlauch zu welchem Sauger passt, steht in „Welcher Schlauchdurchmesser für Werkstattsauger und Absaugung?“.
Atemschutz: die Maske gehört dazu
Absaugung ist die wichtigste Schutzmaßnahme. Beim Schleifen entkommt aber immer etwas Staub direkt am Werkzeug. Die TRGS 553 nennt als geeigneten Atemschutz partikelfiltrierende Halbmasken FFP2 oder Halbmasken mit P2-Filter. Die Suva empfiehlt FFP2 für staubige Arbeiten und FFP3, wenn du staubintensiv mit Buche, Eiche oder Tropenholz arbeitest.
Trag beim Schleifen mindestens eine FFP2-Maske, bei Hartholz, MDF und viel Schleifstaub besser FFP3. Die Maske muss dicht am Gesicht sitzen; mit Bart gelingt das kaum. Blas Staub nie mit Druckluft ab und kehr ihn nicht trocken zusammen. Sauge ihn auf, auch von der Kleidung.
Hält den Filter deines M-Saugers frei
Der Wirbelwerk sitzt zwischen Werkzeug und Sauger und holt Späne und Staub aus der Luft, bevor sie in den Sauger kommen. Er arbeitet zweistufig: Stufe 1 im Fass holt Späne und groben Staub, Stufe 2 im Kopf holt Feinstaub in vier konischen Zyklonen. Im Test schied er über 99,6 % ab.
Die Staubklasse kommt trotzdem von deinem Sauger. Den feinsten Rest hält weiter sein Filter, und der bekommt so viel weniger ab. Für feinen Schleifstaub hat der Wirbelwerk einen Schleifmodus. Adapter gibt es für gängige Saugermarken. Bei anderen Saugern misst du den Außendurchmesser am Anschluss (25–80 mm) und bekommst einen passenden Adapter.
Wirbelwerk ansehen
Häufige Fragen
Reicht Staubklasse L für Holz?
Für Holzstaub gilt Klasse M als Mindeststandard, in Deutschland ist sie im Betrieb vorgeschrieben. Ein L-Sauger darf in der Prüfung zehnmal so viel feinen Staub durchlassen wie ein M-Sauger. Gerade beim Schleifen von Eiche, Buche oder MDF ist das zu wenig.
Was bedeutet Staubklasse M?
M steht für mittlere Gefährdung. Der Sauger darf in der Prüfung weniger als 0,1 % des Staubs durchlassen, hält also über 99,9 % zurück. Dazu kommen eine Warnung bei zu schwachem Luftstrom und eine staubarme Entsorgung.
Ist Buchen- und Eichenstaub gefährlich?
Ja. Staub von Laubholz wie Buche und Eiche ist als krebserzeugend eingestuft, vor allem für Nase und Nasennebenhöhlen. Die Erkrankung zeigt sich oft erst nach Jahrzehnten. Gute Absaugung und beim Schleifen eine Maske sind deshalb auch in der Hobbywerkstatt wichtig.
Ändert ein Vorabscheider die Staubklasse?
Nein. Die Staubklasse kommt vom Sauger und seinem Filter. Das gilt auch für einen Vorabscheider mit Feinstaub-Stufe. Ein Vorabscheider nimmt dem Filter die grobe Masse ab, damit bleibt die Saugleistung länger hoch. Den feinsten Staub muss weiterhin der Filter halten.
Welche Maske beim Schleifen?
Mindestens FFP2, bei Eiche, Buche, Tropenholz, MDF und viel Schleifstaub besser FFP3. Wichtig ist der dichte Sitz. Mit Bart dichtet keine Einwegmaske zuverlässig.
Wird mein L-Sauger mit einem M-Filter zum M-Sauger?
Nein. Die Staubklasse gilt für das ganze Gerät. Bei M gehören auch die Volumenstrom-Warnung und die staubarme Entsorgung dazu. Ein besserer Filter hilft, ersetzt die Prüfung aber nicht.